Realisierung im Unternehmen

Die wichtigste Voraussetzung ist, um BEM als eine feste Größe im Unternehmen zu etablieren, dass Arbeitgeber bereit sind, die damit verbundenen Bemühungen nicht als lästige „Fürsorgepflicht“ anzusehen.

Mit der Zeit kann das BEM ein lobenswertes Instrument werden, welches sich selbstverständlich um das Wohlergehen der Mitarbeiter kümmert.

Nach §§617-619 BGB sowie §62 HGB …..“ ist der Arbeitgeber daran gehalten, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die jeden Beschäftigten vor Gefahren für Leib, Leben und Gesundheit schützen….“

BEM betrifft alle Unternehmen, d.h. sowohl Konzerne, als auch mittelständische
und kleine Unternehmen. Inhaltlich gleicht kein BEM- Ablauf dem anderen, jedes Unternehmen darf hier der eigenen Kreativität freien Lauf lassen, der Gesetzes-
geber hat nicht bis ins Detail  vorgeschrieben, wie die Gestaltung auszusehen hat. Zu beachten sind allerdings Mindestanforderungen die an das BEM gestellt werden, Zum Beispiel das Recht der Mitarbeiter innerhalb einer bestimmten Fehlzeit angeschrieben zu werden, Interessensvertreter nach Wahl hinzuziehen zu dürfen, immer Herr des freiwilligen Verfahrens zu sein etc.

Die Haltung zum BEM als ein u.a. auch präventives Angebot zur Erhaltung der Gesundheit des Mitarbeiters, oder auch gelungenen Wiederkehr nach Erkrankung, ist entscheidend. Wenn ein aufrichtiges Interesse und Wertschätzung des Einzelnen im Unternehmen spürbar ist, dann haben Sie die perfekte Basis für den Start ins BEM

Die Voraussetzungen

Bestimmte, mittlerweile aber aufgrund sich häufender Rechtsprechungen im BEM stattfindende Voraussetzungen müssen vom Arbeitgeber erfüllt sein, damit das
BEM in der Durchführung korrekt starten kann.

Zuerst einmal gilt die vorhandene Arbeitsunfähigkeit, die vor dem Hintergrund der jeweils letzten 12 Monate 6 Wochen betragen muss. Bezogen auf eine 6-Tage Woche 36 Tage, auf eine 5 Tage Woche 30 Arbeitstage, auf eine 4 Tage Woche 24 Tage unerheblich ist hierbei aufgrund welcher Diagnose jemand erkrankt ist, oder welche Ursachen möglicherweise zur AU geführt haben.

Einem Mitarbeiter mit kompliziertem Beinbruch steht das BEM genauso zu, wie einem Mitarbeiter mit psychischer Erkrankung. Von entscheidender Bedeutung ist die Beurteilung des Arztes der entsprechenden Mitarbeiter entsprechend lang aus medizinischen Gründen „krankschreibt“ (ein Mitarbeiter kann also dauerhaft die geschuldete Arbeitsleistung nicht erbringen). Der Arbeitnehmer kann hierbei dauerhaft oder wiederholt (also unterbrochen) arbeitsunfähig gewesen sein.
Es gilt als ratsam, auch die Tage ohne gültige AU mit einzubeziehen. Manche Arbeitgeber verlangen erst ab dem dritten Tag eine AU, gerade aber vermehrt auftretende Kurzerkrankungen geben manchmal Aufschluss auf einsetzende Probleme am Arbeitsplatz, oder sind Symptom einer Belastungs-Überforderungs-
situation.

Ebenfalls ratsam ist es Kuren oder Rehamaßnahmen als Krankheitstage mitzuzählen. Ein Arbeitnehmer kann durchaus noch in der Entgeltfortzahlung sein, wird aber schon im BEM angeschrieben. In einigen Unternehmen hat es sich etabliert auch schon vor der 6 Wochen Frist den Mitarbeiter fürsorglich anzuschreiben. Bekommt das Beauftragte BEM Team mit, dass eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz droht, kann er präventiv auch früher angeschrieben werden, sofern man geeignete Mittel sieht, um die gefährdende Situation der der Mitarbeiter ausgesetzt ist, abzuwenden.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist das Einbeziehen aller nötigen externen und internen Partner und Interessensvertreter, unter der Voraussetzung, dass der Mitarbeiter entsprechende Akteure als Beteiligte auch wünscht. Die Zustimmung des Mitarbeiters für ein BEM ist oberstes Gebot. BEM gilt nur dann als rechtmäßig wenn der Mitarbeiter zuvor über Sinn und Zweck des Instrumentes und die von Ihm erhobenen Daten informiert wurde. Ist der Arbeitgeber dieser Aufklärung genügend nach-gekommen und hat er auch zuvor genannte Dinge beachtet, sind die wichtigsten Voraussetzungen geschaffen, um mit einem freundlichen BEM Anschreiben dem Mitarbeiter das freiwillige Angebot zu unterbreiten.

 

Die wichtigsten ersten Schritte

Selbst wenn im Unternehmen nur eine leichte Ahnung davon besteht, wie ein BEM Prozess im Detail auszusehen hat, wer mit welchen Inhalten vertraut ist, es möglicherweise auch keine Interessensvertreter im Unternehmen gibt, dürfen Sie, sofern der erste BEM Fall „droht“, einfach beginnen.

Vergessen Sie nicht, dass es ja nicht darum geht, dass medizinisch abgeklärt
werden soll, wie jemand wieder gesund wird, sondern der Auftrag des Arbeit-
gebers ist zu prüfen, ob die Arbeitsunfähigkeit in Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz, der Arbeitsorganisation oder sonstigen betrieblichen Abläufen (Vorgesetztenverhalten, Mobbing etc..) steht. Wenn dies der Fall ist, sollte gemeinsam überlegt werden, wie zukünftig verhindert werden kann, dass der Arbeitnehmer nach Rückkehr aus der AU den gleichen Bedingungen wieder
ausgesetzt ist, und somit erneute Krankheit/Ausfallzeit droht. Spätestens wenn
es darum geht, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, wird es zunehmend wichtiger, sich fachliches Wissen im  BEM Team/ als BEM Beauftragter anzueignen, um Handlungsentscheidungen mit Sicherheit zu treffen und auch verantworten zu können.

Es hilft niemandem, unsichere Entscheidungen zu treffen, von denen man vielleicht eine vage Vorstellung hat oder man die Befürchtung hat, dass es schiefgehen könnte. Fehler dürfen im BEM gemacht werden, aber es ist
hilfreicher dann zeitig eingreifen zu können, um fachlich zu korrigieren.