Die Beteiligten

Abhängig davon, wie das BEM umgesetzt werden soll, welche Vorstellung die jeweilige Firma/ das Unternehmen hat, wie groß die Zusammensetzung des BEM- Teams sein soll, ist es sinnvoll das BEM- Team nicht allzu groß zu gestalten. Die Größe eines BEM- Teams ist für den Prozess und das Ergebnis nicht entscheidend, die Reaktionsgeschwindigkeit, das angemessene „Tempo“ um verantwortungsvoll und kreativ zu agieren sind wichtiger.

Allein schon um eine schnelle Handlungsfähigkeit zu bewahren, Terminschwierig- keiten zu verhindern, Inhalte nicht zu zerreden usw… Der BEM Betroffene freut sich in aller Regel über ein kleines Team (oder einen Beauftragten), es schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre.

Je nach Intensität eines Falls können Beteiligte im BEM Prozess auch nach Bedarf hinzugezogen werden. Nicht jeder Interessenvertreter muss zum Beispiel bei jedem Gespräch dabeisitzen, es sei denn dies wird ausdrücklich vom Arbeitnehmer gewünscht.

Wichtig ist, dass alle Beteiligten die nötige Sachkunde besitzen, um tatsächliche Hilfe von Fall zu Fall leisten zu können. Nicht jeder muss immer auf dem identischen allumfassenden Wissensstand sein, an der auf die Interessengruppe bezogenen Sachkunde, zum Beispiel durch regelmäßige Fortbildung sollte der Arbeitgeber nicht sparen. Hilf- und planlos agierende BEM Teams führen nicht zu dem, was der Arbeitgeber sich an Vorteilen durch das BEM verspricht.

Generell ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet ein Integrationsteam zu bilden. Er
tut sich allerdings keinen Gefallen damit, jeden Fall immer wieder mit neuen beauftragten Personen zu betrachten, oder mit häufig wechselnden externen Disability- Managern zu besetzen. Oftmals wird hier als Vorteil angesehen, dass
kein betriebsblinder Akteur agiert, sondern eine gut geschulte zertifizierte Kraft sich des Falls annimmt. Wenn Langfristigkeit gewahrt ist, weil BEM eben viel mit Vertrauen und Schutz der Persönlichkeit zu tun hat, spricht nichts gegen externe Akteure.

Die Besetzung des Teams mit geschulten Mitarbeiter/innen aus den eigenen Reihen funktioniert ebenso gut, wenn alle systematisch mit dem Verfahrensablauf betraut sind.

Arbeitgeber

BEM ist eine Arbeitgeberaufgabe.

Sowohl die Implementierung in das Unternehmen, die Einleitung eines
standardisierten Verfahrens, dass allen Mitarbeiter/innen das gleiche Recht
einräumt, obliegt dem Arbeitgeber. Abgesehen von der Einhaltung des Gesetzes-
textes, erhält der Arbeitgeber einen großen Spielraum, wie er das BEM mit Leben füllt, und es zu einem wirkungsvollen, und vor allen Dingen vertrauensvollen Instrument aus dem Haus des BGM werden lässt.

Der Arbeitgeber bestimmt das BEM Team, er  bestimmt  nicht, das die Interessenvertretung im Boot ist, denn das bestimmt der §84 SGB IX. Sinnvoll ist es einen BEM Beauftragten aus der Mitte des Unternehmens zu bestimmen, eine Person die anerkannt und geschätzt ist, sowie geeignete Kompetenzen mitbringt.

Arbeitnehmer

Ohne die Zustimmung des Arbeitnehmers zur betrieblichen Eingliederung startet BEM nicht.

Jedem Arbeitnehmer, also nicht nur schwerbehinderten Beschäftigten steht BEM zu. Dabei ist  es unerheblich, ob jemand sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, auf geringfügiger Basis arbeitet, teilzeitbeschäftigt, Auszubildender oder befristet tätig ist.

Interessensvertreter

Welche Rechte die Interessensvertreter im BEM haben, ist im Betriebsver-fassungsgesetz geregelt. Für kirchliche Mitarbeiter gilt die MAV, für Bund
und Länder gilt das Personalvertretungsgesetz.

Im BEM hat der Betriebsrat zum Beispiel ein Beratungs- und Mitbestimmungs-
recht dahingehend, dass er darüber zu wachen hat, das geltende Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften und Betriebsvereinbarungen für
den Arbeitnehmer auch angewandt werden.

Der Arbeitgeber informiert den Betriebsrat über den gesamten BEM Prozess. Die Interessensvertreter gestalten das Verfahren mit (soweit vom BEM Betroffenen gewünscht), Sie überwachen es hinsichtlich der Gestaltung von Arbeitsplätzen, Arbeitsabläufen oder der Arbeitsorganisation.

Die Schwerbehindertenvertretung ist Mitglied im BEM Team und wird immer dann beauftragt und um Unterstützung gebeten, wenn ein Arbeitnehmer mit einer Schwerbehinderung ins BEM fällt.

BEM - Beauftragte

Mittlerweile gibt es vielfältige Möglichkeiten sich Wissen für das BEM im eigenen Unternehmen anzueignen.

Von Studiengängen im Bereich Gesundheits- oder Casemanagement über Weiterbildungen zum BEM- Koordinator, oder dem Berufsbild des Disability Managers (wörtlich übersetzt „Unfähigkeitsverwalter“) mit dem Zusatz CDMP (Certified Disability Manager Professionell), besteht die Möglichkeit, sich Kompetenzen anzueignen, die zwingend notwendig sind, um BEM Prozesse in ihrer jeweiligen Individualität kreativ gestalten zu können.

Bei der Auswahl einer geeigneten Person im Unternehmen ist es hilfreich eine Person aus der „Mitte“ des Unternehmens auszuwählen, d.h. es ist keine Voraussetzung, dass diese Person vorher eine Leitungsposition inne hatte.

Es schadet nicht, wenn der potentielle BEM- Beauftragte folgende soziale Kompetenzen mitbringt:

  • Wortgewandtheit/ Kommunikationsstärke,
  • möglichst nicht dazu neigend in Vorurteilen zu denken,
  • höhere Frustrationstoleranz, verbunden damit konfliktfähig zu sein,
  • Neutralität wahren, sie haben immer Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Blick; allparteilich agieren,
  • Diplomatisches Verhandlungsgeschick ist von Vorteil, in der Lage sein konstruktive Lösungsvorschläge aufzuzeigen.

Der „ideale“ Beauftragte sollte sich in den unterschiedlichen Ebenen, Abteilungen oder Fachbereichen des Unternehmens etwas auskennen, und möglichst nicht einer anderen Interessensgruppe angehören.

Externe und interne Partner

Zusätzlich zum betriebseigenen oder auch von außen kommenden BEM Team können am BEM Prozess je nach Unterstützungsbedarf verschiedenste externe und interne Akteure teilnehmen. Voraussetzung ist hierbei immer, dass sowohl die Schweigepflicht eingehalten wird (es sei denn, der betroffene Arbeitnehmer entbindet Mitglieder des BEM Teams davon), als auch der Datenschutz beachtet wird.

Das Angebot an möglichen Akteuren ist vielfältig zu nennen, und man sollte keine Scheu haben die entsprechenden hilfreichen Dienstleistungen wenn gewünscht, auch zu kontaktieren.

Interne Partner können u.a. folgende sein:

  • Betriebliche Sozialberatung
  • Führungskräftevertreter
  • Delegierte der Interessensvertretung
  • Vertrauensperson der Menschen mit Schwerbehinderung
  • Datenschutzbeauftragte
  • Personalräte
  • Betriebsärzte (auch extern möglich)
  • Arbeitgeberbeauftragter mit Entscheidungskompetenzen

Externe Partner können u.a. folgende sein:

  • Deutsche Rentenversicherung Bund / Land
  • Integrationsfachdiente
  • Landschaftsverbände
  • Integrationsämter
  • Krankenkassen / BKK
  • Agentur für Arbeit
  • Therapeuten
  • Versorgungsämter
  • Berufsbildungseinrichtungen
  • Hausärzte / Fachärzte
  • Rehaklinken
  • Unfallversicherung
  • Fürsorgestellen
  • Berufsgenossenschaften
  • Krankenhäuser
  • Tageskliniken
  • allg. Beratungsstellen / Schuldnerdienste / Suchtberatung
  • Selbsthilfegruppen