Langzeiterkrankte Mitarbeiter

BETRIEBLICHES EINGLIEDERUNGSMANAGEMENT – Langzeiterkrankte Mitarbeiter

Was sollte ich im Umgang mit langzeiterkrankten Mitarbeitern berücksichtigen und beachten.

Mein eigener Leitfaden als Anregung und Handlungshilfe.

In meiner bisherigen Tätigkeit konnte ich wahrnehmen, dass BEM immer ein sensibles Vorgehen erfordert, insbesondere bei langzeiterkrankten Mitarbeitern.
Je länger ein Mitarbeiter erkrankt ist, umso größer wird die Hürde sein, die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Betrieb sollte signalisieren, dass er „echt“ daran interessiert ist, mit dem Mitarbeiter ins Gespräch zu kommen.

Hat der AG den Eindruck, dass der Mitarbeiter Hemmungen oder Befürchtungen hat und ein Vermeidungsverhalten zeigt, sollte er versuchen, diese mit dem AN zu klären.

Leitfaden als Handlungshilfe in Stichpunkten:

Notwendige Infos für das Gespräch sammeln, gibt es zum Bsp. ärztliche Stellungnahmen?

Welche Einschätzungen von anderen Interessensgruppen oder Führungskräften gibt es? Diese sammeln und für sich selbst einordnen.

Sind Stellenbeschreibungen, etc. vorhanden um Leistungswandlung zu beschreiben?

In Erfahrung bringen, ob die AU in Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz stehen könnte.

Hierbei können folgende Punkte wichtig sein: Überforderung, Unterforderung, Probleme mit Vorgesetzten).

Kehrt der Mitarbeiter evtl. nur mit Einschränkungen zurück, sind Veränderungen am Arbeitsplatz notwendig? Sind Einschränkungen im Vorfeld in Erfahrung zu bringen. Erstes Telefonat kann hierüber Auskunft geben, manche Mitarbeiter sind bereit darüber direkt zu reden.

Ist der Mitarbeiter evtl. aktuell schwerbehindert.

Gibt es Veränderungen in der Persönlichkeit, die es vorher nicht gab?

Hat es Veränderungen am Arbeitsplatz gegeben (neues Büro, neue Vorgesetzte, neue Tätigkeiten) Im Zuge so vieler Veränderungen im Laufe der Arbeitsjahre hat eine nicht unerhebliche Anzahl von Mitarbeitern Angst entwickelt vor ständigen Neuerungen auf die er immer wieder regieren muss.

Mitarbeiter auffordern selbst zu berichten, eigene Verantwortungsübernahme stärken, geben Sie ihm die Chance zur eigenen Stellungnahme, mach ein Mitarbeiter ist regelrecht verwundert aber auch froh, dass er endlich einmal „gehört „wird.

Wie sah die Situation des Mitarbeiters vor der Erkrankung des Mitarbeiters aus; bes. Vorkommnisse.

Qualifikationen und bisherige Stärken des Mitarbeiters im Gespräch eruieren (bzw. besser vorher für die Vorbereitung)fragen Sie den Mitarbeiter selbst was er denkt was seine Stärken sind, was ist vorstellbar.

Was wollen Sie minimal mit dem Mitarbeiter erreichen, was soll das maximale Ziel sein?

Achten Sie darauf, nicht zu viele Punkte zu nennen.

Prioritätenliste erstellen.

Vermitteln Sie Wertschätzung und Vertraulichkeit.

Recherchieren Sie ob Rehamaßnahmen gelaufen sind und wenn möglich welche Arbeitsbedingungen möglicherweise die Erkrankung ausgelöst haben können (zu hohe Verantwortung, zu viele Schichten, Betriebsklima, Arbeitsverdichtung etc.)

Was traut sich der Mitarbeiter zu, welche Angebote können ihm gemacht werden?

Was dürfen Kollegen wissen, wie sollen die Kollegen mit der Rückkehr umgehen? Hier nimmt man dem Mitarbeiter enorme Unsicherheiten, wenn die Rückkehr an den Arbeitsplatz verbunden mit dem Umgang mit den Kollegen planbar gestaltet wird. Manch einer glaubt durch die lange AU Kollegen im Stich gelassen zu haben.

Lenken Sie das Gespräch durch Fragen.

Machen Sie Angebote im Rahmen ihrer Möglichkeiten, und wenn diese noch so klein sind, beachten Sie hierbei, das auch Arbeitgebern Grenzen im BEM aufgezeigt sind, nicht alles ist durchführbar.

Schalten Sie externe Hilfen ein wie zum Beispiel den IFD oder die Krankenkasse.

Konkretisieren Sie Maßnahmen und schaffen Sie dadurch Sicherheit, machen Sie erste klare Ziele fest und verschriftlichen sie diese. Besprechen Sie alles was Sie tun mit dem Mitarbeiter und betonen Sie an dieser Stelle das der Mitarbeiter jederzeit Einsicht in seine BEM Akte hat.

Beachten Sie, dass der Mitarbeiter vielleicht mit unrealistischen Gedanken ins BEM kommt, er steckt nicht so im Thema, in der Fachlichkeit wie die Mitglieder des BEM Teams.

Zeigen Sie nur realistische Möglichkeiten auf, hierzu gehört es auch nötigenfalls zu sagen, das es keine Lösung mehr von Arbeitgeberseite gibt.

Es gibt auch Grenzen, die dem Unternehmen gesetzt sind, weil Sie ansonsten zu Unübersichtlichkeit oder eventuell auch der allgemeinen Gleichbehandlung entgegenstehen.

Schließlich müssen die Entscheidungen die im BEM getroffen werden einerseits dem wiederkehrenden Mitarbeiter helfen, aber dürfen auch nicht die Belegschaft an sich vor Herausforderungen stellen, dass diese dann erkranken oder überlastet sind.