Gesunde Abgrenzung im Arbeitsalltag

BETRIEBLICHES EINGLIEDERUNGSMANAGEMENT – Gesunde Abgrenzung im Arbeitsalltag

Muss ich immer ein Teamplayer sein oder darf ich auch mal nein sagen?

Um hier eine Antwort darauf zu finden muss ich vorerst klären wer ich bin, in welchen Situationen ich oft ja sage und wieso, und letzten Endes welche Auswirkungen das dann auf mich selbst hat.

Im Großen und Ganzen kann man davon ausgehen, dass Menschen gerne  helfen, weil damit das Gefühl  verbunden ist gebraucht und geliebt zu werden. Manchmal möchte man auch bewusst jemandem gefallen und setzt das Helfen als Mittel ein.

Es gibt aber auch eben gerade im beruflichen Kontext Ursachen, warum jemand nicht nein sagen kann.

Man will niemanden kränken, hat keine andere Absage parat, man will seinen Ruf nicht verlieren, nimmt sich selbst sowie seine eigenen Aufgaben und Bedürfnisse nicht ernst, und hat Angst vor Konsequenzen im Team.

Wer kennt das nicht, sich im Grunde überrumpelt zu fühlen, von Kollegen zu einem Ja gedrängt zu werden, aber eigentlich nein zu denken.

Unsere inneren Antreiber, also alle Botschaften die wir im Laufe der Jahre über die Erziehung verinnerlicht haben sorgen für unsere Haltung, die wir zum Ja und Nein sagen entwickelt haben. Kurzum unsere Persönlichkeit mit all unseren Gedanken und Gefühlen.

Aufforderungen der Eltern, wie bleib stark, stell dich nicht an, achte darauf es anderen recht zu machen oder handele perfekt hinterlassen immer Spuren.

Diese früheren  Antreiber-Sprüche“  sorgen dafür, dass man sich verantwortlich fühlt, wie die Menschen um einen herum sich fühlen, und man  sich schuldig fühlt, wenn es anderen nicht gut geht. Es gibt noch viele weitere Auswirkungen zu nennen, Gedanken die einen beim Kampf um das Ja oder Nein sagen verfolgen.

Man verlangt von sich und anderen Perfektion, man ist ständig bemüht und angestrengt und wählt immer die kompliziertesten Wege, hat immer Angst das andere besser sind und ist nicht in der Lage seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren und auch anzubringen.

Oftmals fühlt man sich getrieben, möchte selbst keine Hilfe annehmen und auch keine Schwächen zeigen kurzum fühlt man sich in der Rolle wohler, wenn andere auf einen zukommen, und um Hilfe bitten.

Meist stecken wir Menschen dann in einem ziemlichen Dilemma. Gerne möchten wir eine Verhaltensänderung herbeiführen, wissen aber nicht wie.

Hilfreich kann es sein, sich erst einmal zu fragen, was die eigenen persönlichen Antreiber sind.

Sind wir eher der „sei stark“ Typ oder doch eher der „mach es allen recht“ Typ. Wie äußern sich diese Typen im Verhalten, welche Botschaften gehen sozusagen von Ihnen aus?

Wenn wir das wissen können wir uns auch ganz offensiv erlauben „anders“ zu reagieren.

Diese Erlaubnisse heißen dann zum Beispiel sich Zeit zu nehmen, etwas wirklich zu machen was man möchte, sich um sich selbst kümmern, sich zu entspannen und sich zu respektieren.

Strategien zu entwickeln um vor Kollegen oder Führungskräften nein zu sagen erfordern Übung, erlauben sie sich zu üben und hierbei auch zwischendurch zu scheitern, das gehört dazu.

Ansätze von Strategien könnten unter anderem folgende sein:

Sie bieten jemanden Hilfe zur Selbsthilfe an, d.h. sie helfen noch ein oder zwei Mal und kündigen an, dass sie dann davon ausgehen, dass der Kollege es nun alleine schafft, denn die Probleme der anderen, sind nicht die eigenen.

Sie bieten nicht nur die Option Ja oder Nein an, sondern schieben einen Nachsatz hinzu. Beispiel: “Ja ich kann helfen, aber nicht in dem Umfang wie Du dir das vorstellst, nicht vier Stunden, sondern nur zwei.“

Mit jedem weiteren Ja sagt man häufig auch nein zu sich selbst. Es ist hilfreich hier dem anderen auch einmal seine Bedürfnisse zu schildern.

Eigene Interessen und Aufgaben  auch einmal wichtig und ernst nehmen und Ihnen Zeit widmen.

Es kann hilfreich sein Alternativvorschläge anzubringen, ein nein wird hierbei häufiger akzeptiert.

Manchmal bereut man ein schnelles Ja, bitten Sie strategisch um eine kurze Bedenkzeit.

Alle, die genügend Strategien geübt haben und sich sicher fühlen, dürfen auch einfach ohne Begründung nein sagen. Alle die noch viel mehr Übung darin benötigen, dürfen auch zur Methode des Aussitzens greifen. Manchmal erledigen sich Aufgaben und Probleme von selbst.

Es ist viel gewonnen, wenn man sein Gegenüber auch einmal dazu gebracht hat, eine andere Perspektive auf die Situation zu bekommen.

Der, der Sie vielleicht wiederholt immer wieder um etwas bittet, und dies mittlerweile mit System, ist sich den Auswirkungen seiner vielen Bitten vielleicht gar nicht bewusst. Ein freundlich begründetes nein von ihrer Seite kann hier zur Aufklärung beitragen.

Letzten Endes geht es nicht darum, von nun an immer Nein zu sagen, sondern es geht darum, wenn wir es einmal mit Schulz von Thun formulieren, mehr mit dem Sach-Ohr hinzuhören, also wie der Sachverhalt einer Frage zu verstehen ist.