Auszubildende im BEM Prozess

BETRIEBLICHES EINGLIEDERUNGSMANAGEMENT – Auszubildende im BEM Prozess

Seit einigen Jahren steigen die psychischen Diagnosen bei jungen Auszubildenden berichten aktuell einige Krankenkassen. Mehreren Zeitungsberichten ist immer wieder zu entnehmen, dass Auszubildende vorzeitig ihre Ausbildung abbrechen. Die öffentliche Wahrnehmung ist, das viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, das händeringend Auszubildende gesucht werden. Unternehmen suchen verstärkt nach Auszubildenden, nutzen alle Netzwerke und auch Ausbildungsbörsen um auf sich aufmerksam zu machen. Branchenbezogen auch durchaus mit gutem Erfolg. Im besten Fall geht es gut, Ausbildungsbetrieb und Auszubildende/r passen gut zueinander, der Betrieb nimmt seine Rolle als Ausbilder ernst, die jungen Menschen fühlen sich wertgeschätzt in ihrer Person und ihrer Rolle,  und der Weg in eine berufliche gute Zukunft ist geebnet.

Nun gibt es aber eine Reihe von Tendenzen, die  mit betrachtet werden müssen, wenn es um das Thema Ausbildung, Problemen am Arbeitsplatz bis hin zu unterschiedlichen Erkrankungen, geht.

Reagieren Auszubildende nunmehr schneller auf Stress?

Gehört Stress nicht mittlerweile zur Normalität?

Manche Ausbilder berichten von regelrechten Zusammenbrüchen der jungen Menschen.

Woran kann dies liegen, ist es wirklich nur der häufige Konsum des Handys, und die damit einhergehende Überforderung / bzw. mangelnde Verarbeitung des Gehirns auf die vielen Reize.

Der Medienkonsum spielt bestimmt eine Rolle, vlt. sind an dieser Stelle auch einmal die Ausbilder und Vorgesetzten dazu aufgerufen, die Azubis zu „schützen“ zu animieren zeitlich befristet mitunter offline zu gehen.

Ausbilder berichten davon zu beobachten, wie selbst in den wichtigen Pausen, wo das „einfach mal kurz abschalten“ gefragt wäre, ihre Auszubildenden unter „Dauerstrom“  stehen und sich keine Phase der Pause gönnen. Es wäre  dennoch zu einfach, und richtet den Blick nicht auf das Ganze, damit die Erschöpfungstendenzen junger Auszubildender zu erklären.

Die Daten die die Krankenkassen zur Verfügung stellen, lassen keine Kausalzusammenhänge zu.

Die Fragen die man sich stellen kann, insbesondere wenn man am Anfang eines BEM Prozesses steht, und versucht Lösungen zu finden, gehen eher dahin wie eigentlich der Lebensalltag der Azubis aussieht, welche Einflüsse können dazu führen, das es zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes kommt.

Auf Anhieb fallen einem in unserem Arbeitssystem mehrere Gründe ein, die dazu führen, dass man Berufsanfänger schon zu Beginn ihres Berufslebens nachhaltig demotivieren kann.

Der DGB sprach zeitweise in der Öffentlichkeit schon davon, das die duale Ausbildung vor die Wand fährt, wenn sich  die grundlegende Haltung dazu nicht ändert.

Relevant sind die „Missstände“ gerade in Bereichen des Dienstleistungssektors, in den  Gesundheits-Pflegeberufen, Einzelhandel sowie Hotel-und Gaststättenbereichen.

Als Schwerpunktthemen sind folgende zu nennen:

  • hoher Zeitdruck, damit verbunden häufig wechselnde Dienste, Azubis können oftmals im privaten Bereich wenig planen und für eigenen Ausgleich sorgen (Hobbies und Freundschaften können nicht gepflegt werden).
  • viele Überstunden, die im Grunde in der Ausbildung nicht stattfinden dürfen, das nicht Einhalten von gesetzlichen Ruhezeiten.
  • ausfallendes Personal, Mitarbeiterreduzierung
  • hoher Leistungsdruck
  • lange Fahrtzeiten zu den Betrieben
  • mangelnde Pausenregelungen
  • Konflikte mit Vorgesetzten oder Kollegen, ein steter schlechter Umgangston im Unternehmen, wenig gekennzeichnet von Respekt und wertschätzendem Verhalten, dies manches Mal bei den Führungskräften, Ausbildern, Vorgesetzten auch resultierend aus der eigenen Überforderung, der eigenen Hilflosigkeit, mangelnder Selbstreflexion aber auch bis hin  zu überzogenem  Macht- und Anspruchsdenken.
  • keine betriebliche Regelung für den Ausbildungsplan, wann soll was  auch praktisch gelernt werden, wer mit wem, wer ist zuständig und ansprechbar bei Fragen die Auszubildende selbstverständlich haben.
  • keine Zeit den jungen Azubis etwas beizubringen, sich mit Ihnen zu beschäftigen, oftmals kein Ansprechpartner vorhanden, der die jungen Menschen durch die Ausbildung „begleitet“.
  • Einsätze und Arbeitsinhalte entgegen denn regulären Aufgaben die in der Ausbildung gelernt werden sollten.

Diese exemplarisch genannten Punkte führen in der Konsequenz und vor allen Dingen auf Dauer dazu, dass Auszubildende anfälliger werden für bestimmte seelische Krankheitsbilder.

Dies muss ich als BEM Beauftragter mit in meine Überlegungen fließen lassen, wenn ich Auszubildende im BEM Prozess begleite.

Abgesehen davon, das politisch hilfreich sein könnte, dass der Gesetzgeber endlich für vernünftige betriebliche Ausbildungspläne sorgt, die auch realistisch eingehalten werden müssen (ein rechtlicher Anspruch darauf) sowie Vorschriften die darauf abzielen keine Überstunden zu machen und den jungen Leuten genügend Zeit zum Lernen gibt, ist es wichtig  im eigenen BEM im Unternehmen genau auf jeden einzelnen Fall zu schauen und mit der gleichen Genauigkeit darauf zu schauen, wie bei langjährigen Mitarbeiter/innen.

Im schlimmsten Fall bricht ein Auszubildender die Ausbildung ab, wird rückblickend nur mit Schaudern an seine Lehrzeit denken, und schnellstmöglich ein Studium beginnen.

Studenten werden natürlich auch allemal benötigt, aber hier geht darum sich auch in der Verantwortung zu sehen, Auszubildende vernünftig durch die Lehrzeit zu bringen, das kann man nur, indem man Sie ernst nimmt und ein vernünftiges Maß findet an dem was man den jungen Menschen abverlangt, aber auch entgegenbringt.

Beziehen Sie im BEM den jungen Menschen (sofern er dem BEM zustimmt) mit ein, die Fragen nach eigenen Wünschen aber auch Veränderungsvorschlägen sollten in jedem Fall gestellt werden.

Im BEM ist es wichtig, das im Hinterkopf zu haben, es ist von Bedeutung, den jungen Menschen klarzumachen, sich im BEM anvertrauen zu können. Damit einhergehend natürlich zumindest zu versuchen konstruktive Lösungen zu finden, was kann an Vereinbarungen/ konkreten Inhalten  zumindest für eine bestimmte Zeit  getroffen werden, wie macht man Vorgesetzten klar, dass Sie nicht sofort ihr Gesicht verlieren, wenn Zugeständnisse oder Veränderungen für die Auszubildenden gemacht werden. Hilfreich kann es auch sein, im BEM schnell einen runden Tisch herbeizuführen. Die IHK zum Beispiel mit einzubeziehen, die mit ihren Ausbildungsberater/innen bei Schwierigkeiten schnell als Mediatoren fungieren können, eventuell Firmenberater der Krankenkassen, Jobcoaches der Agenturen für Arbeit.

Jeder Auszubildende der erfolgreich und zufrieden in Ausbildung gehalten  und wiedereingegliedert wird nach Phasen der Erschöpfung oder auch seelischen Überforderung ist ein Gewinn, letzten Endes gesamtgesellschaftlich.