Alles rund um BEM

BEM als ein Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements, beinhaltet einen großen Fundus an Möglichkeiten. Der Gesetzgeber verhält sich textlich eher sparsam, dies kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen für den Betroffenen im BEM Prozess haben . Im Fall eines fürsorglich eingestellten kooperativ agierenden Arbeitgebers, der mit allen Beteiligten versuchen wird das bestmögliche für einen Mitarbeiter zu tun, ist der Gesetzestext ausreichend um kreativ und immer wieder individuell, auf die  entsprechende Person zugeschnitten, zu agieren. Er wird sich vermutlich aus Eigeninitiative mit verschiedensten Sozialversicherungsträgern zusammensetzen und sich informieren, welche Leistungen beantragt werden können.

Arbeitgeber die rein aus dem Gesetzestext nur die reine Pflicht und Aufforderung zum BEM  Anschreiben sehen, werden unter Umständen hier zwar agieren, aber womöglich wird schon das Erstanschreiben  kühl und rechtssicher formuliert sein, ganz zu schweigen von dem Prozess der unter Umständen davon geprägt ist, eher zu überlegen was alles nicht geht, statt was machbar ist. Tatsächlich gibt es in der Praxis nicht selten  eine Menge Kompetenzgerangel und Unwillen, miteinander zu agieren.

 

Datenschutz

Im BEM wird der Umgang mit allen auf den Mitarbeiter bezogenen Daten darüber entscheiden, wie sich das BEM im Unternehmen entwickeln wird. Die Hauptfrage
ist immer, ob ein hinreichendes Vertrauen zum BEM besteht. Jedes Unternehmen wird vermutlich seine eigene Philosophie haben, wie mit den so genannten sensiblen Daten eines jeden Mitarbeiter umgegangen wird. Ein erworbenes schlechtes Image (vielleicht zuvor schon ohne BEM entstanden), macht die Werbung für BEM nicht einfacher, möglicherweise wird hier der ein oder andere Mitarbeiter BEM aus Mangel an Vertrauen ablehnen. Für die Personen, die mit dem BEM im Unternehmen betraut wurden und dies erkennen, ist dies ein Zeichen, gegenzusteuern. Dem Unternehmen muss klar gemacht werden,das dem Mitarbeiter zum Beispiel in einer möglichen rechtlichen Auseinandersetzung, aufgrund eines nicht ausreichenden Datenschutzes kein regelkonformes BEM angeboten wurde.

Also zusammengefasst:

  • BEM erfordert immer die Zustimmung und Beteiligung der betroffenen Person
  • Der Datenschutz ist eine elementare Voraussetzung für BEM.
  • Das Vertrauen der Mitarbeiter in ein transparentes BEM Verfahren macht den Erfolg des BEM aus; hierbei ist das Recht auf informationelle Selbstbestimmung nicht zu vergessen, d.h. jeder hat das Recht zu erfahren, was mit seinen jeweiligen BEM- Daten geschieht, und vor allen Dingen, welche Daten erhoben werden.

Sämtliche Informationen dazu sind im Bundesdatenschutzgesetz nachzulesen.

Häufige Fragen

Gilt BEM für alle Beschäftigten im Unternehmen?

BEM gilt für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Beamtinnen und Beamte, Angestellte, Auszubildende,geringfügig Beschäftigte, tariflich oder außertariflich Beschäftigte, die innerhalb eines Jahres unterbrochen oder ununterbrochen länger als sechs Wochen krank sind.

Muss der Arbeitgeber ein BEM anbieten?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet nach Erreichen der  entsprechenden Fehlzeit des Arbeitnehmers, das BEM nach § 84 SGB IX( ab 01.01.2018 §167 SGB IX) , anzubieten.

Ist ein Arbeitnehmer verpflichtet, dem BEM zuzustimmen?

Niemand kann zum BEM gezwungen werden. Voraussetzung für das Einleiten des BEM Verfahrens ist die Zustimmung des Arbeitnehmers.Der Betroffene hat zu jeder Zeit die Zügel  in der Hand, und kann selbst nach Zustimmung zum Verfahren das BEM jederzeit beenden.  Zwar darf eine vom Betroffenen erfolgte Ablehnung des Verfahrens diesem  nicht zum Nachteil ausgelegt werden,doch  kann ein Mitarbeiter sich zum Beispiel im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens aus Krankheitsgründen auch nicht auf ein nicht korrekt durchgeführtes  BEM  berufen.

Gilt das BEM nur für Erkrankungen, die im Zusammenhang mit der Arbeit stehen?

BEM gilt für alle Erkrankungen, auch wenn diese auf den ersten und auch zweiten Blick nicht im Zusammenhang mit der Arbeit stehen. Auch Erkrankungen oder Unfälle die in der Freizeit geschehen,können Auswirkungen auf  Arbeitsprozesse und -inhalte nach sich ziehen, und benötigen insofern die Möglichkeiten die sich aus einem BEM-Unterstützungsprozess  ergeben können.

Wer gehört im Idealfall  in ein BEM Team?

Wichtig ist, sich hier nicht selbst unter Druck zu setzen. Wenn eine Interessensvertretung im Unternehmen vorhanden ist, gehört auf jeden Fall ein Delegierter auch ins Team, wenn eine Schwerbehindertenvertretung vorhanden ist, gehört diese Vertrauensperson bei BEM Betroffenen mit einer Schwerbehinderung ins Team.Je nach Bedarf kann der Betriebsarzt,Datenschutzbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Führungskräftevertreter anteilig hinzugezogen werden. je kleiner das Team ist, desto höher sind die Chancen für eine flexible Handhabung. Wichtig ist, dass der Arbeitgeber einen Beauftragten ernannt hat, der das BEM koordiniert und steuert.

Wann findet kein BEM statt?

Wenn der Mitarbeiter ablehnt und wenn BEM sich als objektiv nutzlos erweist. Diese objektive Nutzlosigkeit muss der Arbeitgeber beweisen. Er muss  darlegen, warum zum Beispiel eine innerbetriebliche Umsetzung oder andere arbeitsorganisatorische Maßnahme nicht möglich ist.Vereinfacht bedeutet das, er muss beweisen, warum BEM in keinem Fall dazu geführt hätte, vor weiterer arbeitsbedingter  Krankheit zu schützen und das Arbeitsverhältnis zu erhalten.